Bilder-Rückwärtssuche: So prüfst du, woher ein Foto stammt

Lade das Foto bei Google Lens, Bing oder TinEye hoch, und du siehst, wo es oder ein ähnliches Bild schon im Netz aufgetaucht ist. Das Ergebnis ist ein Hinweis, kein Urteil.

Eine Frau vergleicht ein ausgedrucktes Foto eines Mannes mit einem Raster ähnlicher Fotos auf ihrem Laptop

Wofür eine Bilder-Rückwärtssuche gut ist

Bei einer Bilder-Rückwärtssuche suchst du mit einem Bild statt mit Wörtern. Die Suchmaschine zeigt dir andere Seiten, die dasselbe Foto benutzen, oder Bilder, die ihm ähneln. Das hilft in Situationen wie diesen:

  • Ein Profil in einer Dating-App oder einem sozialen Netzwerk, das schnell vertraut wird und nach ein paar Wochen über Geld spricht. Die Fotos können einer ganz anderen Person gehören, mit anderem Namen, in einem anderen Land. Das Landeskriminalamt NRW empfiehlt auf seiner Seite zu Love-Scamming ausdrücklich, die Bilder einer Internetbekanntschaft mit einer Bilder-Rückwärtssuche auf ihre Herkunft zu prüfen.
  • Eine Wohnungs- oder Verkaufsanzeige mit gutem Preis, bei der vor jeder Besichtigung Geld verlangt wird. Die Verbraucherzentrale schreibt in ihrem Ratgeber zu Fake-Wohnungen, dass die Fotos solcher Anzeigen oft aus dem Internet kopiert sind, zum Beispiel aus Möbelkatalogen, und dass sich das mit der umgekehrten Bildersuche leicht aufdecken lässt.
  • Eine Spendenbitte oder ein Hilferuf mit dem Foto eines Menschen im Krankenhaus oder eines zerstörten Hauses. Dasselbe Bild kann schon einmal in einer anderen Geschichte aufgetaucht sein.

Das Ergebnis erklärt nichts für wahr oder falsch. Es gibt dir Zusammenhang: wo das Bild schon aufgetaucht ist, unter welchen Namen, zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Geschichte.

So suchst du am Computer

Google beschreibt auf der Hilfeseite Mit einem Bild bei Google suchen drei Wege:

  1. Bild auf einer Website: Öffne die Seite in Chrome, klick mit der rechten Maustaste auf das Bild und wähle „Mit Google Lens suchen“. Die Ergebnisse erscheinen in einer Seitenleiste.
  2. Bild auf deinem Computer: Öffne google.com und zieh die Bilddatei in das Suchfeld.
  3. Nur die Bildadresse: Klick mit der rechten Maustaste auf das Bild, wähle „Bildadresse kopieren“, geh auf google.com, klick auf „Suche anhand von Bildern“ und füg die Adresse unter „Bildlink einfügen“ ein.

Laut Google funktioniert die visuelle Suche mit Lens in den meisten Browsern, etwa Chrome, Firefox, Safari und Edge. Nach dem Hochladen kannst du im Feld „Suchanfrage ergänzen“ zusätzlich beschreiben, wonach du suchst. Such zuerst mit dem ganzen Bild. Sind mehrere Personen oder Gegenstände darauf, such danach noch einmal mit einem kleineren Ausschnitt.

So suchst du am Handy

Auf dem Handy geht das in der Google-App über das Lens-Symbol, mit dem du ein Foto aus deiner Galerie auswählst. Die Namen der Schaltflächen ändern sich je nach Gerät und Version der App.

Wenn das Foto in einem Screenshot steckt, schneide vor der Suche Ränder, Text und Schaltflächen ab. Fang mit dem ganzen Foto an, denn so taucht es meistens auch auf anderen Seiten auf. Kommt nichts zurück, probier Ausschnitte: bei einer Anzeige erst den Hauptgegenstand, dann ein Detail, bei einem Profil nur das Gesicht ohne den Rest des Bildschirms.

Ein Foto, das dir jemand im Chat geschickt hat, speicherst du dafür in der Galerie oder machst einen Screenshot. Die Person, die das Bild geschickt hat, erfährt nicht, dass du es gesucht hast, denn die Suche geht an die Suchmaschine und nicht an sie.

Die Suche bei Bing und TinEye wiederholen

Jede Suchmaschine hat ihre eigene Sammlung von Bildern aus dem Netz. Ein Foto, das Google nicht findet, kann woanders auftauchen, und umgekehrt. Die Polizei Hamburg nennt auf ihrer Seite zu Love Scamming für die Bilder-Rückwärtssuche deshalb mehrere Dienste, unter anderem Google, Bing und TinEye. Wenn es um Geld geht, lohnt es sich, mindestens noch einen zweiten Dienst zu fragen.

Bei der visuellen Suche von Bing lädst du ein Bild hoch und siehst ähnliche Bilder und die Seiten, auf denen sie vorkommen.

TinEye funktioniert ähnlich: Du lädst die Datei hoch oder fügst die Bildadresse ein. Am meisten hilft hier die Sortierung. Wähle im Menü zum Sortieren „Oldest“, dann stehen die frühesten Funde oben. TinEye erklärt dazu selbst, dass dieses Datum der Tag ist, an dem TinEye das Bild gefunden hat, nicht der Tag, an dem es veröffentlicht wurde. Als Startpunkt, um zur frühesten Veröffentlichung zurückzugehen, ist es trotzdem gut. Mit der Funktion „Compare“ kannst du außerdem ein Ergebnis direkt mit deinem Bild vergleichen und sehen, ob es beschnitten oder bearbeitet wurde.

Googles „Infos zu diesem Bild“

Google hat eine Funktion, die Informationen zu einem Bild aus dem Netz zusammenträgt. Laut der Hilfeseite Weitere Informationen zu Bildern kann sie zeigen, wann Google das Bild oder eine ähnliche Version zum ersten Mal gesehen hat, auf welchen anderen Seiten ähnliche Versionen benutzt werden und in einem Abschnitt „Frühere Verwendungen“ Seiten, auf denen das Bild schon viel früher auftauchte als in den anderen Ergebnissen.

Google selbst empfiehlt dabei zu prüfen, ob ein Bild älter oder neuer ist als erwartet. Ein Foto, das angeblich gestern bei einem Unwetter entstanden ist und das Google schon vor drei Jahren gesehen hat, erzählt eine andere Geschichte als die Bildunterschrift. Die Funktion ist laut Google derzeit nur in bestimmten Regionen verfügbar.

Wie du die Ergebnisse vergleichst

Such nach der ältesten Veröffentlichung, die du finden kannst. Vergleich Name, Ort, Datum, Beschreibung und Bildqualität. Dasselbe Foto mit verschiedenen Personen oder bei Anzeigen in weit entfernten Städten kann bedeuten, dass es kopiert wurde.

Ein Beispiel

Eine Familie sucht für ein verlängertes Wochenende eine Ferienwohnung an der Ostsee und findet eine Anzeige mit Terrasse und Meerblick zu einem Preis unter allen anderen. Der Vermieter antwortet schnell und will die halbe Miete vorab per Überweisung, um die Tage zu reservieren. Vor dem Bezahlen sucht die Tochter das Terrassenfoto bei TinEye und sortiert nach dem ältesten Fund: Dasselbe Bild steht seit zwei Jahren auf der Seite einer Pension in einem anderen Ort. Die Familie überweist nichts.

Dieses Beispiel haben wir erfunden. Ein Foto aus einer Bilddatenbank beweist für sich allein nicht, dass die ganze Anzeige falsch ist. Es zeigt aber, dass das Bild nicht unbedingt den Gegenstand oder die Person zeigt, um die es geht. Bei Nachrichten such nach der ursprünglichen Quelle und dem Datum, denn alte Fotos kommen gern mit neuer Bildunterschrift zurück.

Zwei Fälle, in denen die Suche besonders oft hilft

Wohnungsanzeigen. Die Verbraucherzentrale beschreibt in ihrem Ratgeber zu Fake-Wohnungen ein häufiges Muster: Der angebliche Eigentümer ist im Ausland, kann nicht zur Besichtigung kommen und will den Schlüssel per Post schicken, wenn vorher eine Kaution überwiesen wird. Danach kommt weder ein passender Schlüssel noch eine Antwort. Die Verbraucherzentrale hält dazu fest, dass eine Mietkaution erst nach Abschluss des Mietvertrags fällig wird, und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem das Mietverhältnis beginnen soll, und dass seriöse Makler und Eigentümer kein Geld verlangen, bevor du die Wohnung besichtigt hast. Die Rückwärtssuche zeigt dir zusätzlich, ob die Fotos aus einem Katalog oder einer anderen Anzeige stammen.

Profilfotos in Messengern. Wenn dir eine unbekannte Nummer schreibt und sich als Bekannte, als neue Freundin oder als dein Kind mit neuer Nummer ausgibt, ist das Profilfoto oft das Erste, was Vertrauen schafft. Speicher das Foto und such es. Taucht es unter einem anderen Namen auf, weißt du genug. Wie solche Gespräche ablaufen, die mit einer scheinbar falsch verschickten Nachricht beginnen, steht in Falsch-verbunden-Nachrichten.

Bilder, die mit künstlicher Intelligenz erstellt wurden

Software kann in Sekunden das Foto eines Menschen erzeugen, den es nicht gibt, eines Hauses, das nie gebaut wurde, oder eines Produkts, das niemand herstellt. So ein Bild ist neu, es taucht also nirgendwo sonst auf, und die Rückwärtssuche bleibt leer.

Deshalb heißt eine leere Suche nicht, dass das Foto echt ist. Ein Dating-Profil, dessen Fotos nirgendwo auftauchen, kann einer echten Person gehören, die einfach wenig im Netz ist, oder einer Person, die es gar nicht gibt. Hier hilft, die Person oder das Unternehmen auf anderem Weg zu bestätigen, etwa mit einem Videoanruf oder einer Besichtigung, bevor Geld fließt. Das Bayerische Justizministerium rät bei Online-Bekanntschaften, die zu Geldanlagen drängen, genau darauf zu achten: Misstrauisch werden, wenn jemand nach dem ersten Kontakt schnell zu einem Messenger wechseln will und nie für ein Treffen oder einen Videoanruf zur Verfügung steht. So steht es in seiner Mitteilung zum Trading-Scam, der dort auch „Pig Butchering“ genannt wird.

Was die Suche nicht beweisen kann

Keine weitere Kopie zu finden, macht ein Bild nicht echt. Es kann neu sein, privat, stark bearbeitet oder einfach noch nicht in den Ergebnissen. Umgekehrt gilt das auch: Echte Fotos tauchen oft an vielen Stellen auf, wenn ein Unternehmen oder die Presse sie verbreitet hat.

Nutze die Suche als einen Teil der Prüfung. Bei einem Kauf oder einer Miete lies ist dieses Unternehmen seriös und schau dir den Namen an, auf den das Geld gehen soll. Bei einer Person sprich über einen anderen Kanal und schick kein Geld, nur weil das Foto nirgendwo sonst auftaucht. Wie Betrug über langsam aufgebautes Vertrauen funktioniert, steht in was Social Engineering ist.

Wenn du schon Geld geschickt hast und danach merkst, dass die Fotos jemand anderem gehören, ruf sofort deine Bank an und sag, dass die Zahlung auf einem Betrug beruht. Was nach einer Überweisung noch möglich ist, steht in was tun, wenn das Geld schon weg ist. Erstatte Anzeige bei der Polizei vor Ort oder über die Onlinewache deines Bundeslandes. Die Polizei Hamburg rät, dafür E-Mails und Chats zu speichern, Screenshots zu machen und alle Überweisungsbelege aufzuheben.

Vorsicht mit den Fotos, die du hochlädst

Bei einer Rückwärtssuche gibst du das Bild an einen fremden Dienst. Lade kein intimes Foto, kein Ausweisdokument und kein Bild einer anderen Person, vor allem nicht eines Kindes, bei einer Seite oder App hoch, die du nicht kennst. Bleib bei bekannten Diensten und lies, was sie mit den Bildern machen: TinEye schreibt in seinen häufigen Fragen, dass es dein Bild nicht speichert, nicht weitergibt und deine Suchen nicht verfolgt. Google schreibt auf seiner Hilfeseite, dass es die Bildadressen, nach denen du suchst, möglicherweise speichert, um seine Produkte zu verbessern.

Häufige Fragen zur Bilder-Rückwärtssuche

Die Suche hat nichts gefunden. Ist das Foto dann echt?

Nein. Ein Bild kann ohne Treffer bleiben, weil es neu ist, nur an Stellen gepostet wurde, die Suchmaschinen nicht erreichen, weil es beschnitten oder bearbeitet wurde oder weil es mit Software erzeugt wurde. Ein leeres Ergebnis heißt nur, dass du noch nichts erfahren hast. Bestätige die Person oder das Unternehmen auf anderem Weg, bevor Geld fließt.

Welchen Dienst sollte ich zuerst ausprobieren?

Fang mit Google an und wiederhole die Suche dann bei Bing oder TinEye. Jeder Dienst hat seine eigene Bildersammlung, ein Foto, das einer nicht findet, kann bei einem anderen auftauchen. Wenn es um Geld geht, lohnen sich mindestens zwei.

Kann ich ein Foto suchen, das mir jemand geschickt hat?

Ja. Speicher das Bild oder mach einen Screenshot und schneide Ränder, Schaltflächen und Text ab, damit nur das Foto übrig bleibt. Such zuerst mit dem ganzen Bild und probier kleinere Ausschnitte nur, wenn nichts kommt.

Merkt die Person, dass ich ihr Foto gesucht habe?

Nein. Die Suche geht an die Suchmaschine, nicht an die Person, die das Bild gepostet hat. Vorsicht ist in die andere Richtung geboten: Du gibst die Datei an ein fremdes Unternehmen, deshalb keine intimen Fotos, keine Ausweise und keine Bilder anderer Menschen hochladen.

Ich habe dasselbe Foto unter einem anderen Namen gefunden. Was jetzt?

Behandle das Foto als nicht bestätigt und stopp jede Zahlung. Das Konto zur Rede zu stellen bringt wenig, es sagt den Betreibern nur, dass sie die Bilder wechseln sollten. Die Polizei Hamburg rät, den Kontakt abzubrechen, ihn zu blockieren und Beweise zu sichern. Melde das Profil auf der Plattform und erstatte Anzeige, wenn schon Geld geflossen ist.

Kann ich herausfinden, wann ein Foto zuerst veröffentlicht wurde?

Nicht genau. TinEye zeigt mit der Sortierung „Oldest“ den frühesten Fund, und TinEye sagt selbst, dass das der Tag ist, an dem es das Bild gefunden hat, nicht der Tag der Veröffentlichung. Googles „Infos zu diesem Bild“ kann zeigen, wann Google ein Bild zuerst gesehen hat. Beides gibt dir eine Richtung, kein Veröffentlichungsdatum.

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