Call-ID-Spoofing: Warum ein Betrugsanruf eine echte Nummer zeigen kann

Beim Call-ID-Spoofing zeigt dein Display eine Nummer, die nicht dem Anrufer gehört, oft die einer Bank, einer Behörde oder einer Nummer aus deiner Stadt. Eine bekannte Nummer beweist deshalb nicht, wer anruft.

Ein älterer Mann in einer Garage mit Werkzeugwand schaut stirnrunzelnd auf das Display eines schnurlosen Festnetztelefons

Was Call-ID-Spoofing ist

Call-ID-Spoofing bedeutet, dass jemand die Rufnummer fälscht, die bei einem Anruf übertragen und auf deinem Display angezeigt wird. Die Bundesnetzagentur fasst auf ihrer Seite zur Manipulation von Rufnummern unter diesem Begriff alle Anrufe mit manipulierten Absenderrufnummern zusammen und beschreibt das Ziel klar: Die wahre Identität des Anrufers soll verschleiert werden.

Wichtig ist ein Detail, das viele überrascht. Um eine fremde Nummer anzuzeigen, muss sich der Anrufer diese Nummer nicht verschaffen, sie nicht kaufen und nicht freischalten lassen. Er kann eine real existierende Nummer anzeigen lassen, auch eine ausländische, deren Inhaber mit dem Anruf nichts zu tun hat. Oder er nimmt eine Fantasienummer, die gar nicht vergeben ist.

Zwei Dinge sehen ähnlich aus und sind kein Spoofing. Ein Anruf mit „unbekannt“ oder „anonym“ kommt von jemandem, der seine Nummer unterdrückt hat. Das darf jeder, außer bei Werbeanrufen. Und manche Unternehmen zeigen bei ausgehenden Anrufen erlaubterweise eine zentrale Servicenummer statt der Nummer des einzelnen Arbeitsplatzes. Das ist zulässig, wenn das Unternehmen ein Nutzungsrecht an dieser Nummer hat.

Warum ein Betrugsanruf eine echte Nummer zeigen kann

Bei einem Anruf werden zwei Nummern übertragen. Die eine ist die Nummer des Anschlusses, über den der Anruf tatsächlich läuft. Sie bleibt für die Netzbetreiber und für Sicherheitsbehörden sichtbar. Die andere ist eine zusätzliche Nummer, die der Anrufer selbst für die Anzeige beim Angerufenen setzen darf. Diese zweite Nummer erscheint auf deinem Display. Die Bundesnetzagentur erklärt das auf ihrer Seite zur Manipulation von Rufnummern und nennt beide Nummern beim Fachbegriff.

Erlaubt ist diese zweite Nummer nur unter engen Bedingungen: Der Anrufer braucht ein Nutzungsrecht an ihr, und sie muss aus dem deutschen Nummernraum stammen. Wer betrügen will, hält sich nicht daran. So kann auf deinem Display die echte Nummer deiner Bank stehen, während am anderen Ende jemand sitzt, der mit der Bank nichts zu tun hat.

Ein Beispiel

Am Nachmittag klingelt das Festnetztelefon. Im Display steht eine Nummer mit der Vorwahl deiner Stadt, und wenn du sie später suchst, findest du sie auf der Seite der örtlichen Polizeidienststelle. Der Mann am Telefon nennt einen Namen und eine Dienstnummer, spricht von einer Einbrecherbande in deiner Straße und rät dir, Bargeld und Schmuck einem Kollegen zur sicheren Verwahrung zu übergeben. Die Nummer ist echt, der Anrufer ist kein Polizist.

Dieses Beispiel haben wir erfunden, die Masche gibt es wirklich. Die Bundesnetzagentur hat im September 2025 auf ihrer Übersicht zum Rufnummernmissbrauch vor betrügerischen Anrufen im Namen von Polizei oder Banken im gesamten Bundesgebiet gewarnt. Die Polizei NRW schreibt auf ihrer Seite zu falschen Polizeibeamten am Telefon: Niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte übergeben, auch nicht an angebliche Mitarbeiter von Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht oder Bank. Wie solche Gespräche aufgebaut sind, steht in wie ein Betrugsanruf funktioniert.

Was sich seit dem 1. Dezember 2022 geändert hat

Seit dem 1. Dezember 2022 gelten in Deutschland technische Schutzregeln, die einen Teil der gefälschten Anzeigen abfangen. Die Bundesnetzagentur beschreibt sie auf ihrer Seite zur Manipulation von Rufnummern:

  • Anrufe mit der 110 oder 112 im Display werden abgebrochen. Es gibt keinen Anruf, bei dem die Notrufnummer rechtmäßig als Absender erscheint. Die Notrufabfragestellen der Polizei rufen immer mit der Ortsnetznummer der jeweiligen Dienststelle an. Dasselbe Verbot gilt für 0900- und 0137-Nummern, Auskunftsnummern mit 118 und Kurzwahlnummern.
  • Deutsche Nummern bei Anrufen aus dem Ausland werden unterdrückt. Kommt ein Anruf aus einem ausländischen Netz und trägt er eine deutsche Absendernummer, darf diese nicht angezeigt werden. Du siehst dann „unbekannt“ oder „anonym“.
  • Ausnahme Handynummern. Für Mobilfunknummern gilt die Unterdrückung nicht, weil deutsche Handykunden im Ausland ganz normal nach Hause telefonieren. Eine deutsche Handynummer im Display ist also auch nach 2022 kein Beweis.

Die Regeln haben eine Folge, die man kennen sollte: Es gibt mehr Anrufe ohne angezeigte Nummer. Das ist nicht automatisch verdächtig, denn viele Menschen unterdrücken ihre Nummer aus guten Gründen. Eine unterdrückte Nummer sagt dir nur, dass du nicht weißt, wer anruft. Behandle Forderungen nach Geld, Codes oder Daten in so einem Gespräch genauso vorsichtig wie bei jedem anderen unerwarteten Anruf.

Ist Call-ID-Spoofing verboten?

Ja. § 120 des Telekommunikationsgesetzes legt fest, welche Nummer bei einem Anruf übertragen werden muss und unter welchen Bedingungen eine zusätzliche Nummer angezeigt werden darf. Wer eine Nummer aufsetzt, an der er kein Nutzungsrecht hat, verstößt dagegen. Die Regel gilt laut Bundesnetzagentur auch für SMS. Bei unerlaubten Werbeanrufen ist das Aufsetzen der Nummer des Auftraggebers durch ein Callcenter ausdrücklich als Beispiel für verbotenes Spoofing genannt, wie die Behörde auf ihrer Seite zu unerlaubter Telefonwerbung schreibt.

Das Verbot hält den Anruf aber nicht auf. Die Bundesnetzagentur sagt offen, dass sie bei gefälschten Absenderinformationen keinerlei technische Möglichkeit hat, solche Anrufe zu verhindern. Eine gefälschte Nummer abschalten zu lassen bringt nichts, weil der Anruf in Wahrheit von einem anderen Anschluss kommt. Sinnvoll wäre nur, die Nummer abzuschalten, von der aus wirklich angerufen wird, und die muss erst ermittelt werden.

Für die Verfolgung von Straftaten, also auch von Telefonbetrug, ist nicht die Bundesnetzagentur zuständig, sondern die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Die Behörde empfiehlt deshalb bei Verdacht auf einen kriminellen Hintergrund, möglichst schnell auch die Polizei einzuschalten.

Auflegen und selbst zurückrufen: wie das richtig geht

Auflegen und zurückrufen heißt: Du beendest das Gespräch und erreichst die Stelle über eine Nummer, die du selbst herausgesucht hast. Nicht über eine Nummer, die dir der Anrufer nennt, und auch nicht über die Nummer, die auf dem Display stand. Die Polizei NRW rät bei angeblichen Polizisten genau so: Namen nennen lassen, auflegen, die örtliche Polizei über die 110 anrufen und den Fall schildern.

Beim Spoofing gibt es dabei eine Falle, die leicht übersehen wird. Wenn du in der Anrufliste auf die Nummer tippst, kann das zwei Dinge bedeuten. Hat der Anrufer eine echte Nummer geliehen, erreichst du deren echten Inhaber, der von dem Anruf nichts weiß. Hat er eine Fantasienummer benutzt, erreichst du niemanden oder irgendwen. Beides bestätigt nichts. Nimm deshalb die Nummer von der Rückseite deiner Karte, aus der App deiner Bank oder von einem Schreiben, das du schon hast.

Ruf möglichst von einem anderen Telefon aus an oder warte ein paar Minuten, bevor du wählst. So stellst du sicher, dass du nicht noch in der alten Verbindung hängst. Echte Banken und Behörden fragen am Telefon nicht nach PIN, TAN oder Passwort und schicken niemanden vorbei, der Geld oder Karten abholt.

Wenn das Gespräch schon weiter ging, als dir lieb ist, hilft diese Reihenfolge:

  1. Bankdaten genannt oder Geld überwiesen: Ruf sofort deine Bank an, über die Nummer auf deiner Karte oder in der App, oder sperr Karte und Online-Banking über den Sperr-Notruf 116 116, wie es die BaFin auf ihrer Seite zum Datendiebstahl empfiehlt. Wie es nach einer Überweisung weitergeht, steht in was tun, wenn das Geld schon weg ist.
  2. Passwort oder Code genannt: Änder das Passwort sofort, auch überall dort, wo du dasselbe benutzt.
  3. Notieren: die angezeigte Nummer, eine genannte Rückrufnummer, Datum und Uhrzeit.
  4. Anzeige erstatten: bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache deines Bundeslandes.
Eine ältere Hand drückt die rote Auflegetaste an einem schnurlosen Telefon auf einer Küchenarbeitsplatte
Beispielszene, mit KI erstellt: auflegen und die Nummer selbst heraussuchen, statt zurückzurufen.

Wenn deine eigene Nummer missbraucht wird

Wenn Fremde dich anrufen und fragen, warum du sie angerufen hast, wird deine Nummer sehr wahrscheinlich als Absender aufgesetzt. Die Bundesnetzagentur beschreibt genau diesen Fall: Wird eine echte Nummer zum Beispiel für eine Werbekampagne mit automatischen Wählprogrammen benutzt, landet sie bei vielen Menschen in der Liste der entgangenen Anrufe. Wer zurückruft, erreicht dich, obwohl du mit den Anrufen nichts zu tun hast. Selbst wenn der Anrufer deine Nummer um eine oder mehrere Ziffern verlängert hat, landet der Rückruf bei dir, weil die überzähligen Ziffern einfach weggekürzt werden.

Du hast diese Anrufe nicht gemacht, und niemand brauchte Zugriff auf dein Telefon, um deine Nummer anzuzeigen. Diese Schritte helfen:

  • Erklär es den Anrufern kurz. Viele haben selbst einen merkwürdigen Anruf bekommen und wollen wissen, wer dahintersteckt. Ein ruhiger Satz, dass deine Nummer missbraucht wird, beendet das Gespräch meistens.
  • Sammle Angaben zu den Anrufen. Die Bundesnetzagentur hat nur dann einen Ermittlungsansatz, wenn Datum, Uhrzeit und die Nummer des Angerufenen bekannt sind. Frag die Anrufer, wann sie angerufen wurden, und schreib es auf.
  • Melde es schnell. Die Verbindungsdaten werden bei den Anbietern in der Regel nach sieben Tagen gelöscht. Danach lässt sich der Ursprung eines Anrufs nicht mehr klären. Nutz das Formular zur Rufnummernmanipulation auf der Seite Beschwerden zu Ärger mit Rufnummern.
  • Sicher das Anrufprotokoll deines Routers. Die Bundesnetzagentur empfiehlt einen Screenshot. Manchmal steht dort ein Hinweis auf die Nummer, von der die Anrufe wirklich kamen.

Achte auf ein anderes Problem, das ähnlich wirken kann. Wenn dein Handy plötzlich keinen Empfang mehr hat oder du Nachrichten über eine SIM-Karte bekommst, die du nicht bestellt hast, hat womöglich jemand deine Nummer auf sein Gerät geholt. Das ist kein Spoofing. Dann rufst du sofort deinen Mobilfunkanbieter an.

Kann man gefälschte Anrufe stoppen?

Verhindern kannst du nicht, dass jemand eine Nummer fälscht. Du kannst aber beeinflussen, wie viele dieser Anrufe dich erreichen und wie weit sie kommen.

Einzelne Nummern zu blockieren hilft beim Spoofing weniger als sonst, weil der nächste Anruf von einer anderen Nummer kommt, oft wieder von einer echten. Mehr bringen Einstellungen, die nach Mustern filtern: Anrufe von Nummern, die nicht in deinen Kontakten stehen, stummschalten oder Spam-Anrufe ausfiltern. Wo diese Einstellungen auf iPhone und Android liegen, steht in unbekannte Nummern blockieren. Die Bundesnetzagentur weist außerdem darauf hin, dass manche Netzbetreiber ganze Rufnummerngruppen sperren können und dass sich Sperren auch im Router einrichten lassen.

Bei Drohanrufen oder wiederholter Belästigung kannst du bei deinem Anbieter eine Fangschaltung beantragen. Sie kostet Geld und wirkt nur für zukünftige Anrufe, frühere lassen sich damit nicht auslesen. Die Bundesnetzagentur warnt außerdem, dass eine Fangschaltung je nach Art der Manipulation den wahren Ursprung oft nicht zeigt.

Im Gespräch selbst gilt: Beantworte keine Fragen, bevor du weißt, mit wem du sprichst, und drück keine Tasten, nur weil eine Ansage es verlangt. Welche Abfragen du zu einer Nummer selbst machen kannst und was sie beweisen, steht in wem gehört diese Nummer.

Wo du gefälschte Anrufe meldest

Für gefälschte Rufnummern ist die Bundesnetzagentur zuständig, für Betrug die Polizei. Keine der beiden Stellen holt dein Geld zurück, beide brauchen aber die Meldung, um gegen die Täter vorzugehen.

  • Bundesnetzagentur: Formular zur Rufnummernmanipulation. Gebraucht werden deine Nummer, die angezeigte Nummer, dein Telefonanbieter, Datum und Uhrzeit sowie eine kurze Schilderung, aus der die Manipulation hervorgeht. Ohne angezeigte Nummer nimmt die Behörde keine Beschwerde wegen Manipulation an, weil es dann keine gefälschte Nummer gibt.
  • Polizei: bei Betrug oder Betrugsversuch Anzeige bei der Dienststelle oder online. In akuten Fällen, etwa wenn jemand gleich Geld abholen will, wählst du die 110.
  • Deine Bank: immer zuerst, wenn Geld oder Bankdaten betroffen sind.

Die Bundesnetzagentur priorisiert Fälle danach, ob sich der Ursprung des Anrufs noch ermitteln lässt. Bei Anrufen aus dem Ausland ist das nach ihrer eigenen Einschätzung meistens schwierig. Melden lohnt sich trotzdem, weil jede Meldung zeigt, welche Nummern gerade missbraucht werden.

Häufige Fragen zu Call-ID-Spoofing

Was ist ein Beispiel für Call-ID-Spoofing?

Dein Display zeigt die echte Nummer deiner Bank oder einer Polizeidienststelle in deiner Stadt, und am Telefon ist jemand, der diese Nummer nur geliehen hat. Die Bundesnetzagentur beschreibt, dass dafür weder Kauf noch Freischaltung der Nummer nötig sind. Eine echte Nummer im Display sagt dir nicht, wer anruft.

Kann die Polizei mit der 110 im Display anrufen?

Nein. Laut Bundesnetzagentur gibt es keinen Anruf, bei dem die 110 rechtmäßig als Absender erscheint. Die Polizei ruft mit der Ortsnetznummer der Dienststelle an. Seit dem 1. Dezember 2022 müssen Anrufe mit 110 oder 112 als Absender abgebrochen werden.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn meine Nummer missbraucht wird?

Unangenehm ist es, gefährlich für dich meistens nicht. Erklär Anrufern kurz, dass deine Nummer missbraucht wird, sammle Datum und Uhrzeit der Anrufe und melde es schnell bei der Bundesnetzagentur, weil die Verbindungsdaten nach etwa sieben Tagen gelöscht werden. Wenn dein Handy keinen Empfang mehr hat, ruf deinen Mobilfunkanbieter an.

Ist ein Anruf mit unterdrückter Nummer gefälscht?

Nein. Seine Nummer zu unterdrücken ist erlaubt, nur bei Werbeanrufen nicht. Seit 2022 werden außerdem deutsche Festnetznummern bei Anrufen aus dem Ausland unterdrückt. Ein anonymer Anruf sagt dir nur, dass du nicht weißt, wer anruft.

Können auch SMS mit gefälschter Nummer kommen?

Ja. Die Regeln des § 120 TKG gelten laut Bundesnetzagentur auch für SMS, und gefälscht werden auch Absendernamen. Behandle eine SMS, die dich zum Anrufen, Tippen auf einen Link oder Bestätigen eines Kontos auffordert, genauso wie einen Anruf und prüf es über die App oder eine Nummer, die du selbst herausgesucht hast.

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