Gewinnspiel- und Lotto-Betrug: Warum ein echter Gewinn dich nie Geld kostet

Ein echter Gewinn bei Lotto oder Gewinnspiel kostet dich nichts, wenn du ihn abholst. Wer dir einen Gewinn meldet und vorher eine Gebühr, eine Steuer oder deine Kontodaten will, hat keinen Gewinn für dich.

Eine Hand hält einen weißen Umschlag an einem geöffneten Briefkasten am Straßenrand

Die Regel, die fast jede Gewinnmeldung entscheidet

Wenn du zahlen musst, um einen Gewinn zu bekommen, ist es Betrug. Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt das Muster so: Per Telefon, E-Mail oder Brief heißt es „Sie haben gewonnen!“, aber der Gewinn könne nur nach einer Bearbeitungsgebühr übergeben werden. Genannt werden Anwalts-, Notar- oder Zollgebühren, oft mehrere hundert bis tausend Euro. Der Rat der Polizei: Zahl niemals Gebühren für einen vermeintlichen Gewinn.

Die Regel gilt, egal wie die Zahlung heißt. Bearbeitungsgebühr, Notarkosten, Bankgebühr, Zoll, Versand, Versicherung oder Steuern: Der Name wechselt, das Prinzip bleibt.

Sie gilt auch, egal wer angeblich anruft. Eine Behörde, ein Notar, eine bekannte Lotterie oder eine Bank, die den Gewinn verwahrt: Ein benutzter Name bleibt ein benutzter Name. Wer genannt wird, ist nicht der, der dich anruft.

Die zweite Regel ist fast genauso nützlich: Du kannst kein Gewinnspiel gewinnen, an dem du nie teilgenommen hast. Bevor du überlegst, ob eine Meldung echt ist, frag dich, ob es überhaupt eine Teilnahme gab.

Wie die Masche am Telefon abläuft

Die Verbraucherzentrale Hamburg beschreibt, dass die Täter gezielt ältere Menschen auswählen, meistens per Telefon oder Post, und dafür manchmal Telefonbücher nach Namen durchsuchen, die alt klingen. Versprochen werden hohe Geldsummen oder teure Sachpreise. Um sie einzulösen, seien vorab Bearbeitungs-, Bank- oder Notargebühren zu zahlen, von einigen hundert bis zu mehreren tausend Euro, häufig per Bargeldtransfer an Personen im Ausland.

Die Anrufer sind laut Verbraucherzentrale Hamburg meist sehr höflich und psychologisch geschickt. Sie fragen so viel Persönliches wie möglich ab, um es später gezielt zu benutzen, und tauschen diese Informationen manchmal untereinander aus. Manche geben sich als Behördenmitarbeiter aus, um Zweifel auszuräumen. Die Polizei ergänzt, dass Anrufer vorgeben, im Auftrag von Anwälten oder Notaren anzurufen, und mit einer Technik eine andere Nummer auf dem Display anzeigen lassen.

Nach der ersten Zahlung hört es selten auf. Es kommen neue unerwartete Kosten oder neue Gewinne. Die Verbraucherzentrale Hamburg berichtet von Menschen, die extra Kredite aufgenommen haben, um die angeblichen Gebühren zu zahlen. Die Hoffnung, dass doch noch ein echter Gewinn kommt, mit dem sich die Schulden begleichen lassen, macht anfällig für den nächsten Trick.

Und dann gibt es eine zweite Runde. Den Betroffenen wird angeboten, ihr Geld über „Sozialtransfers“ zurückzuverdienen: Sie sollen ihr Konto für Überweisungen zur Verfügung stellen und das Geld ins Ausland weiterleiten. Wer zweifelt, dem wird mit einer Anzeige wegen Geldwäsche gedroht. Was dann gilt und was zu tun ist, steht in Finanzagent.

Quelle: Polizei Baden-Württemberg

Wie die Gebühr verkleidet wird

Die Gebühr ist das eigentliche Produkt. Alles davor soll dafür sorgen, dass sich die Zahlung wie eine Formalität anfühlt. Deshalb ist sie im Vergleich zum versprochenen Gewinn meistens klein.

  • Steuern auf den Gewinn. Die überzeugendste Version. Dazu unten mehr, denn auf Lottogewinne gibt es in Deutschland gar keine Einkommensteuer.
  • Notar, Anwalt, Bank. Die Gebühr klingt amtlich und wirkt wie ein Zeichen, dass alles ordentlich abläuft.
  • Zoll, Versand, Versicherung. Bei Sachpreisen, weil ein Auto oder ein Gerät Versandkosten normal erscheinen lässt.
  • Gutscheinkarten. Die Polizei beschreibt, dass Täter auffordern, Prepaid-Karten für Online-Käufe zu kaufen, und dann die PIN abfragen.
  • Die teure Rückrufnummer. Laut Polizei kommen amtlich wirkende Briefe mit gebührenpflichtigen Nummern, etwa mit 0900, 0180 oder 0137 am Anfang. Wer anruft, landet in einer langen Warteschleife und zahlt hohe Telefongebühren.
  • Deine Kontodaten. Keine Gebühr an der Oberfläche, aber die Kontodaten sind die Beute. Manchmal wird das Konto später benutzt, um fremdes Geld zu verschieben.

Mit der Gebühr kommt der Druck. Die Frist ist kurz, der Gewinn verfällt angeblich heute. Ein echtes Gewinnspiel hat keinen Grund, innerhalb einer Stunde eine Antwort zu brauchen.

Die Steuer, die es nicht gibt

Die Geschichte mit den Steuern funktioniert, weil viele glauben, auf einen Gewinn müsse Steuer gezahlt werden. In Deutschland stimmt das für Lottogewinne nicht. Saartoto, die staatliche Lotteriegesellschaft des Saarlandes, schreibt: Lottogewinne sind in Deutschland steuerfrei, auch Millionenbeträge, weil ein Lottogewinn steuerlich nicht als Einkommen gilt. Steuerlich relevant können erst die Zinsen oder anderen Erträge werden, die später aus dem Gewinn entstehen.

Was das für dich heißt

Wer dir sagt, vor der Auszahlung eines Lottogewinns müsse eine Gewinnsteuer gezahlt werden, erfindet eine Steuer. Und selbst wo eine Steuer anfällt, zahlst du sie nie an die Person, die dir den Gewinn meldet, und nie per Gutscheinkarte, Bargeldtransfer oder Kryptowährung.

Für Glücksspiel im Internet gibt es in Deutschland außerdem eine amtliche Liste. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder veröffentlicht eine Whitelist der erlaubten Glücksspielanbieter und aktualisiert sie mindestens einmal im Monat. Wenn du an einer Lotterie im Internet teilnehmen willst, sieh dort nach, ob der Anbieter eine Erlaubnis hat. Ein Anbieter, der dich anruft, um dir einen Gewinn bei einer Lotterie zu melden, bei der du nie mitgespielt hast, braucht diese Prüfung nicht mehr.

Was das Gesetz zu Gewinnzusagen sagt

Deutschland hat eine Regel, die viele überrascht. Nach § 661a BGB muss ein Unternehmer, der Gewinnzusagen an Verbraucher schickt und dabei den Eindruck erweckt, man habe einen Preis gewonnen, diesen Preis auch leisten. Die Verbraucherzentralen erklären in ihrem Ratgeber Fake-Gewinnspiele: Haben Sie Anspruch auf den Gewinn?, Stand August 2026, was das in der Praxis bedeutet.

Die Regel gibt dir einen Anspruch auf den Gewinn. Sie gibt der Gegenseite keinen Anspruch auf eine Gebühr. Wer also auf eine Zahlung vor der Auszahlung besteht, kann sich nicht auf dieses Gesetz berufen.

Den Anspruch durchzusetzen ist allerdings schwer. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass für eine Klage eine echte Geschäftsanschrift des Unternehmens nötig ist, während meist nur ein Postfach angegeben wird. Das Gericht stellt eine Klage erst zu, wenn die Gerichtskosten bezahlt sind, und am Ende bleibt man oft auf den Kosten sitzen. Bei Firmen im Ausland lassen sich solche Ansprüche kaum durchsetzen. Die Verbraucherzentrale rät deshalb zu höchster Vorsicht und empfiehlt eine Klage nur mit Rechtsschutzversicherung und nach rechtlicher Beratung.

Für dich heißt das: § 661a BGB ist ein Grund, keine Gebühr zu zahlen. Er ist kein Grund, einer Gewinnmeldung hinterherzulaufen.

Anrufe, Bandansagen und Briefe

Ein Werbeanruf, in dem dir ein Gewinnspiel angeboten wird, ist ohne deine vorherige Einwilligung nicht erlaubt. Die Bundesnetzagentur nennt Gewinnspiele ausdrücklich unter den Angeboten, für die ein Unternehmen deine vorherige Einwilligung braucht. Sie verfolgt unerlaubte Werbeanrufe und kann Bußgelder von bis zu 300.000 Euro verhängen. Werbende Unternehmen dürfen außerdem nicht mit unterdrückter Nummer anrufen.

Auch die Bandansage kennt die Bundesnetzagentur: Ein Anruf mit einer Gewinnmitteilung vom Band, bei dem du aufgefordert wirst, eine Nummer oder eine Taste zu wählen. Auf ihrem Verbraucherportal kannst du solche Fälle über ein Formular melden. Notier dafür Datum, Uhrzeit und die angezeigte Nummer.

Bei Briefen helfen zwei einfache Prüfungen. Sieh nach, wohin die Antwort gehen soll: Eine Rückrufnummer mit teurer Vorwahl, eine Gebühr oder ein Formular für Kontodaten sind dieselbe Bitte in anderer Verpackung. Und sieh nach, wer schreibt: Ein Postfach statt einer Geschäftsanschrift ist laut Verbraucherzentrale typisch für solche Schreiben. Schick nichts zurück und ruf die Nummer im Brief nicht an.

Die Verbraucherzentrale Hamburg rät, nach Anbieter, Firmensitz und danach zu fragen, wie du in die Auswahl gekommen bist, Namen und Adresse zu prüfen und nachzusehen, ob der Anbieter auf ihrer Liste unseriöser Gewinnspielanbieter steht.

Ein aufgefalteter Brief, ein geöffneter Umschlag und ein Scheck liegen auf einer Granitplatte, daneben eine Brille und ein Telefon
Beispielszene: Ein Gewinnbrief wird in Ruhe auf dem Tisch gelesen, ohne die Nummer darin anzurufen.

Angeblich ein Lotto-Abo abgeschlossen: Was tun mit der Mahnung?

Eine Mahnung für ein Lotto- oder Gewinnspiel-Abo, das du nie bewusst abgeschlossen hast, musst du nicht bezahlen. Die Verbraucherzentralen warnen in ihrem Beitrag zu betrügerischen Schreiben zu Lotto und Gewinnspielen (Stand Dezember 2023) vor Briefen erfundener Kanzleien und Inkassofirmen. Sie behaupten, du hättest dich am Telefon für einen „Dienstleistungsvertrag“ angemeldet, und verlangen per Lastschrift oder Überweisung mehrere hundert Euro.

Die Verbraucherzentralen nennen typische Merkmale: Das Schreiben ist mit „Vorgerichtliche Mahnung“ überschrieben, ein Kündigungsformular mit SEPA-Lastschriftmandat liegt bei, und manchmal soll das Geld auf ein Konto im Ausland gehen. Ein deutsches Gericht hat deutsche Bankkonten. Die Drohung mit Pfändung ist leer, denn eine Pfändung ist ohne einen rechtskräftigen Titel wie einen Vollstreckungsbescheid oder ein Urteil nicht möglich.

Der Rat der Verbraucherzentralen: nicht einschüchtern lassen, nicht reagieren und nicht zahlen. Unterschreib vor allem kein beigelegtes Lastschriftmandat. Wenn du unsicher bist, prüft die örtliche Beratungsstelle der Verbraucherzentrale die Forderung mit dir.

Auch die Anrufe dazu kennen die echten Lotteriegesellschaften. Saartoto schreibt, dass Anrufer oft ein angeblich abgeschlossenes Lotto-Abo oder eine offene Forderung behaupten und Zahlungen zur Beendigung des Vertrags verlangen. Wer kein Abo bewusst abgeschlossen hat, hat es sehr wahrscheinlich mit einem Betrugsversuch zu tun.

Wenn du schon gezahlt hast

Kümmer dich zuerst um den Zahlungsweg, weil dort die einzige echte Chance liegt, Geld zurückzubekommen, und diese Chance wird mit jeder Stunde kleiner.

  1. Ruf die Stelle an, über die das Geld gegangen ist. Bei einer Überweisung deine Bank, bei einer Gutscheinkarte den Anbieter der Karte, bei einem Bargeldtransfer den Transferdienst. Sag, dass du betrogen wurdest, und frag, ob noch etwas gestoppt werden kann. Eine Überweisung lässt sich laut BaFin nach Eingang bei der Bank meist nicht mehr widerrufen.
  2. Hast du Kontodaten herausgegeben, sag es deiner Bank und sieh dir deine Umsätze genau an. Eine Lastschrift, die du nie erlaubt hast, kannst du laut BaFin bis zu 13 Monate nach der Buchung zurückholen. Bei Kartendaten: Sperr-Notruf 116 116.
  3. Hör auf zu antworten. Zahl keine letzte Gebühr, um die Sache abzuschließen, und erklär nicht, dass du es jetzt weißt. Heb Briefe, Nachrichten und Belege auf.
  4. Erstatte Anzeige. Die Polizei rät dazu im Zweifel. Das geht bei jeder Dienststelle oder über die Onlinewache deines Bundeslandes.
  5. Melde unerlaubte Anrufe bei der Bundesnetzagentur.
  6. Rechne mit dem zweiten Anruf. Wer später anbietet, das Geld gegen eine Gebühr zurückzuholen, betreibt den nächsten Betrug. Mehr dazu in Vorschussbetrug.

Wenn ein Angehöriger die Gewinnbriefe bekommt

Gewinnbriefe und Gewinnanrufe hören selten von allein auf, und wer einmal reagiert hat, bekommt meistens mehr. Das ist ein Problem der Listen, nicht des Charakters, und es hilft, das der betroffenen Person auch so zu sagen. Scham ist der Hauptgrund, warum diese Briefe versteckt werden.

Was in der Praxis hilft: anbieten, die Post gemeinsam zu öffnen, statt sie wegzunehmen. Eine einzige Regel vereinbaren, die leicht zu halten ist: Für einen Gewinn wird nie gezahlt. Und die Nummer der Bank und der Polizei gut sichtbar neben das Telefon legen. Wie ihr euch in der Familie auf solche Situationen einigen könnt, ohne jemandem etwas wegzunehmen, steht in Eltern vor Betrug schützen.

Gewinnversprechen sind ein Teil einer größeren Familie von Betrugsmaschen, bei denen erst gezahlt werden soll. Wer das Muster einmal gesehen hat, erkennt auch die anderen leichter: Kredite mit Vorkosten, Erbschaften mit Notargebühren und Geldrückholer, die erst Geld wollen.

Häufige Fragen zu Gewinnspielbetrug

Muss ich auf einen Lottogewinn Steuern zahlen, bevor er ausgezahlt wird?

Nein. Lottogewinne sind in Deutschland steuerfrei, auch sehr hohe, weil sie steuerlich nicht als Einkommen gelten. Steuerlich relevant können erst spätere Zinsen werden. Eine Forderung nach Gewinnsteuer vor der Auszahlung ist erfunden.

Habe ich nach § 661a BGB Anspruch auf den versprochenen Gewinn?

Grundsätzlich ja, wenn ein Unternehmer den Eindruck erweckt hat, dass du gewonnen hast. In der Praxis ist das schwer durchzusetzen, vor allem bei Firmen im Ausland. Die Verbraucherzentralen raten zu einer Klage nur mit Rechtsschutzversicherung und rechtlicher Beratung. Eine Gebühr musst du nach dieser Regel nie zahlen.

Woran erkenne ich, dass ein Gewinnanruf Betrug ist?

An der Bitte um Geld oder Daten. Die Polizei rät, nie Gebühren für einen Gewinn zu zahlen und keine persönlichen Informationen wie Kontodaten herauszugeben. Frag dich außerdem, ob du überhaupt teilgenommen hast.

Darf mich jemand anrufen, um mir ein Gewinnspiel anzubieten?

Nur mit deiner vorherigen Einwilligung. Die Bundesnetzagentur nennt Gewinnspiele ausdrücklich bei unerlaubter Telefonwerbung und nimmt Beschwerden über ihr Verbraucherportal entgegen. Bußgelder können bis zu 300.000 Euro betragen.

Ich habe eine Gebühr bezahlt. Bekomme ich das Geld zurück?

Manchmal, wenn du schnell bist und der Zahlungsweg es zulässt. Ruf sofort die Bank oder den Dienst an, über den gezahlt wurde. Gutscheinkarten und Bargeldtransfers lassen sich kaum zurückholen. Erstatte in jedem Fall Anzeige und zahl nichts nach.

Sind Gewinnspiele rechtlich erlaubt?

Ja, Gewinnspiele sind erlaubt und brauchen keine behördliche Genehmigung, solange für die Teilnahme kein Geldeinsatz verlangt wird. Glücksspiele mit Geldeinsatz brauchen meist eine Erlaubnis. Das erklären zwei Anwälte in einem Ratgeber der Deutschen Presse-Agentur, den t-online veröffentlicht hat. Ein seriöses Gewinnspiel verlangt weder für die Teilnahme noch für die Auszahlung Geld oder Kontodaten.

Was passiert, wenn ich am Telefon Ja gesagt habe?

Ein Vertrag über eine Lotterie kommt dadurch allein nicht zustande. Die Verbraucherzentralen schreiben, dass Lotterie-Verträge am Telefon zwar geschlossen werden können, ohne anschließende schriftliche Bestätigung aber nicht gültig sind. Zahl keine Rechnung für ein Abo, das du nicht schriftlich bestätigt hast, und gib keine Kontodaten heraus.

Ruft die Lotteriegesellschaft an, wenn ich gewonnen habe?

Ein Anruf, der für einen Gewinn eine Zahlung oder deine Bankdaten verlangt, kommt nicht von einer echten Lotterie. Saartoto, die staatliche Lotteriegesellschaft des Saarlandes, schreibt, dass sie grundsätzlich nicht unangekündigt anruft, nie am Telefon eine Zahlung verlangt und keine Bankdaten abfragt. Prüf deine Teilnahme nur über die offiziellen Wege deines Anbieters.

Lies weiter

Alle Artikel ansehen

Teile diesen Artikel